LINUXMAKER, OpenSource, Tutorials

Das Warum der Direktbeauftragung

Immer mehr Unternehmen verlassen sich auf Pesonaldienstleister und Recruiter, wenn sie auf externe Dienstleister und Experten zurückgreifen müssen, als den direkten Draht zu dem Experten mit direkter Beauftragung zu suchen.

Dabei gehört es zu den Aufgaben eines Recruiters Stellenausschreibungen zu verfassen, Bewerbungen zu prüfen, geeignete Kandidaten auszuwählen sowie Vorstellungsgespräche zu führen und teilweise auch Konditionen für die Anstellung zu verhandeln.

Exakt das kann nicht funktionieren, zumindest funktioniert es nicht so gut, wie wenn der Kunde und der Experte als Auftragnehmer sich direkt begegnen. Warum ist das der Fall?

Meine Erfahrungen mit Recruitern zeigen immer wieder das gleiche Schema. Hier wird nur Verwaltungsarbeit geleistet. Meistens sind nur ein Budget gegeben zusätzlich mit Skills und Anforderungen, die die Experten liefern sollen. Das kann im Prinzip jeder abarbeiten, auch spezielle Software kann so Profile abscannen. Natürlich ist das zweckdienlich für eine kostensparende und gewinnbringende Arbeitsweise der Recruiting-Unternehmen.

Ärgerlich ist das jedoch sowohl für den eigentlichen Auftraggeber und für uns Experten. Ich betrachte das mal stellvertretend für meine Branche, der IT-Dienstleister.

Nehmen wir einmal diese Ausschreibung:

Datenbankentwickler- und administrator gesucht (MariaDB/MySQL) - überwiegend Remote

Hallo zusammen,
Wir suchen einen Datenbankspezialisten (m/w/d), der sich um die Administration und Weiterentwicklung der bestehenden Datenbanksysteme kümmern soll.

Must-have:
- Expertenwissen in der Entwicklung und Administration von Datenbanksysteme, insbesondere MariaDB/MySQL
- Python + Erfahrung im Schreiben von Skripten
- Erfahrung mit Datenbankreplikation
- tiefgehende Linux-Kenntnisse

Nice-to-have:
- Kenntnisse in Bash
- Erfahrung mit der Analyse von Daten (Datenauswertung)“

So etwas ist im Prinzip eine einzige Katastrophe, um einen IT-Experten zu beauftragen, denn das kann alles heißen und ist somit extrem ungenau. Im Prinzip heißt das, der Recruiter weiß selber nicht, was sein Kunde eigentlich will. Das fängt bereits bei dem Must-have an. Ich als Experte will als Erstes wissen, worin denn die Weiterentwicklung der bestehenden Datenbanksysteme bestehen soll. Soll ein komplettes Datenbanksystem erneuert oder migriert werden oder sollen bestehende Datenbanken anders moduliert werden, weil sich inhaltliche Anforderungen verändert haben? Nur um zwei Eventualitäten zu nennen.
Auch die Anforderung zum Skripten hat wohl jeder IT-Experte, der Linux-Systeme administriert. So gesehen ist die Erwähnung der Bash (Bourne Again Shell) unsinnig, zumal die unter Linux nahezu zum Standard gehört - Linux ohne Bash, ksh etc. gibt es definitiv nicht.
Tiefgehende Linux-Kenntnisse wird ebenfalls nicht weiter vertieft. Worin sollen die denn liegen? Mehr in der Bedienung der Shell oder bereits im Tunen der Performance oder Absicherung eines Linux-Systems?
Und dann haben wir noch den netten Wunsch nach der Erfahrung in der Analyse von Daten. Das ist bereits eine Wissenschaft für sich, wo sich der Recruiter nicht auf eine spezielle Methode, Herangehensweise festlegen kann.

Der Personaldienstleister, der diese Ausschreibung verfasst hat, zeigt bereits mit seinen Formulierungen, dass er absolut nichts über das weiß, worin er vermitteln soll. Entsprechend wird seine Suche und sein Ergebnis sein, weil weder er noch eventuell angesprochene Kandidaten können richtig ermessen, ob dieses Projekt mit den jeweiligen individuellen Voraussetzungen umsetzbar wäre.

Anders wäre die Herangehensweise des IT-Experten selber, wenn derselbe Kunde nicht über den Personaldienstleister gehen würde, sondern direkt den IT-Experten kontaktiert. Vielleicht wären in der ersten Kontaktaufnahme die Informationen immer noch relativ mager, weil diesen Job eher der Einkauf oder weniger fachspezifische Mitarbeiter machen. Aber immerhin würde ich als IT-Experte bereits die richtigen Fragen stellen, um zu erfahren, was mein Kunde denn konkret möchte. Notfalls wäre der Weg zu den anfragenden Experten bei dem Kunden in der EDV bereits sehr viel kürzer als mit einem Recruiter, zumal ich bereits in dieser Phase mit ihnen selbst sprechen könnte.

Jetzt sähe die Projektanfrage ganz sicher sehr viel besser aus und man könnte auch bereits sagen, worin man den Kunden gezielt unterstützen kann.

Eine solche Herangehensweise wird weltweit kein Personaldienstleister respektive Recruiter leisten können, denn dann könnten er oder sie den angefragten IT-Job selber erbringen. So gesehen ist immer der bessere Weg, das Unternehmen, das Bedarf an externen Spezialisten hat – in diesem Fall an IT-Experten aus dem Linux- und Datenbankumfeld – sucht selber im Internet nach den Experten und kontaktiert sie.
Das Argument, dass Personaldienstleister eben auch die gesamte Vertragsabwicklung und den Geldfluss von den beauftragenden Unternehmen fernhalten, würde ich nicht als Mehrwert ansehen, vor allem weil so betrachtet mindestens drei Vertragsparteien involviert wären. So gäbe es mindestens einen, wenn nicht sogar zwei latent Unzufriedende in dem Vertragskonstrukt.
Mehr Erfolg und Zufriedenheit auf beiden Seiten wird immer eine direkte Geschäftsbeziehung zwischen dem beauftragenden Kunden und dem IT-Experten geben.

Ein zwischengeschalteter Recruiter wird immer das Geschäftsziel seines Unternehmens im Auge haben, weniger das seiner Kunden, egal ob das der Projektgeber oder der IT-Experte ist. Hinzukommt das fehlende Fachwissen, um das Projekt richtig zu erfassen und dann zu beschreiben. Letzten Endes fehlt die richtige Herangehensweise, bei der Recruitierung. Denn nur nach den Skills und vergleichbaren IT-Projekten im CV zu suchen reicht nicht aus, vor allem wenn man die Fachsprache nicht verstehen kann.

So gesehen ist der Weg für alle Beteiligten eine sehr große Zeit- und Ressourcenverschwendung im Gegensatz zu der Direktbeauftragung. Mal ganz ehrlich welchen Mehrwert bietet mir als IT-Experten die Dienstleistung eines Recruiters oder dem Auftraggeber? Ich sage es einmal so: Solange ich im Direktkontakt mit dem Kunden sehr viel schneller an qualitativ bessere Informationen komme und sehr viel schneller die Entscheidungsprozesse sind, weil sie über weniger Personen transportiert werden, sehe ich keinen Mehrwert in Recruiter-Dienstleistungen. Ohnehin würde ich die vertragliche Bindung an eine Personalagentur, die gar nichts mit meinen Dienstleistungen zu tun hat, ausser Provisionen einzubehalten, als eine extreme Behinderung meiner Geschäftsprozesse ansehen. Auch der Auftraggeber wird im Direktkontakt gewinnen. Zumal sich das Outsourcing der Personalabteilung aus der Perspektive der qualitativen Arbeitsleistung als Trugschluss erwiesen hat, denn die ausgelagerten Kosten entstehen jetzt bei einem anderen Unternehmen, das seinerseits die Kosten einsparen will. Und das geht auf Kosten der qualitativen Arbeit. Dann macht man dieselbe Arbeit doch besser wieder selber und ist zufriedener.
Stellt nur noch die Frage, warum das keinem Auftraggeber so bewusst wird. Vielleicht ist der Service der ausgelagerten Personaldienstleistungen mittlerweile zu einer Bequemlichkeit geworden.

Jedenfalls kann mich jederzeit in meinem Themenumfeld beauftragen und fährt damit schneller, günstiger und qualitativ besser als mit dem derzeitigen Standardweg.